„Untertauchen“ von Daisy Johnson

Übersetzung: Birgit Maria Pfaffinger

Erscheinungsjahr: 20, Verlag: btb Taschenbuch, ISBN 978-3-442-71780-4

 

Besprochen von Sandra Weber

Klappentext/ Annotation

Sechzehn Jahre ist es her, dass sie ihre Mutter zuletzt gesehen hat. Die Hälfte ihres Lebens hat sie versucht, ihre Kindheit zu vergessen – die Zeit auf dem Fluss, auf einem Hausboot, frei und ungebunden. Die Jahre danach, als ihre Mutter plötzlich weg war und sie bei Pflegeeltern unterkam. Gretel hat nicht aufgegeben, bei Kliniken, Leichenhäusern und Polizeistationen nachgefragt. Dann bringt ein Anruf die beiden wieder zusammen. Doch die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Während das Erinnerungsvermögen der Mutter zusehends schwindet, will die Tochter endlich verstehen. Warum wurde sie im Stich gelassen? Was ist damals geschehen, in jenem letzten Winter auf dem Fluss?

Vorwort

Sicherlich kennen Sie das Idiom „Dont judge a book by ist cover!“, das so viel mehr bedeutet als die Wörtliche Übersetzung, man solle ein Buch nicht nach seinem Einband bewerten.

Der Einband von „Untertauchen“ war ungewöhnlich gestaltet und weckte sofort auch mein Interesse am Inhalt des Romans.

Daher werde ich, untypisch für Rezensionen, auch mit dem Einband anfangen. Denn damit hat schließlich auch meine Lesereise auch begonnen.

 

Meinung

Der Einband ist in kräftigen Farben und starkem Kontrast gestaltet. Erst bei näherer Betrachtung erkennt man, dass es eine Unterwasserwelt abbildet – dicht bewachsen und undurchdringlich. Doch mit der unnatürlich wirkenden Farbgebung der einzelnen Unterwasserpflanzen wird der Bezug zur Realität entrückt. Hier könnte den Leser auch etwas Traumhaftes oder gar Mystisches erwarten.

Tatsächlich ist diese Gestaltung eine der treffendsten, die ich je bei einem Buch gesehen habe.

Denn dieser Roman ist so komplex, tiefgreifend und fesselnd wie – um im Bild zu bleiben- ausufernde Seegraswiesen, in denen man Gefahr läuft, sich zu verirren.

Leider erschwert das die Buchbesprechung erheblich, da man nicht zu viel vom Inhalten verraten will. Nur so viel:

Untertauchen hat drei Erzählstränge, die abwechselnd erzählt werden. Ein Strang ist in der Kindheit der Protagonistin verortet und schildert das Leben mit der Mutter auf dem Fluss. Ein weiterer berichtet über die verzweifelte Suche der Tochter. Letztlich erfahren wir im dritten Erzählstrang wie sich das Leben mit ihrer an Demenz erkrankten Mutter nun für die Protagonistin Gretel gestaltet.

Der Autorin Daisy Johnson gelingt es, mit ihrer bildhaften Sprache, den Leser in dieses Zeiten- und Erzählgeflecht zu verstricken. Die komplizierte Beziehung zwischen Mutter und Tochter wird schonungslos gezeichnet. Ebenso flechtet sie auch Verweise zur griechischen Mythologie in ihre Erzählung ein.  Manche der Ausdrücke sind für meinen Geschmack etwas zu sperrig. Das tut dem Lesevergnügen allerdings kaum Abbruch.

Gleichwohl fordert dieses Buch absolute Aufmerksamkeit und Konzentration. Als Bettlektüre absolut ungeeignet. Man muss bei der Sache bleiben, sonst droht man wirklich sich im Unterwasserdickicht zu verheddern.

 

Fazit

„Untertauchen“ von Daisy Johnson ist ein Roman für den anspruchsvollen Leser. Mit seinen Ecken und Kanten ist der Leser gefordert, er wird aber am Ende mit einer grandiosen Geschichte belohnt.